Die freimaurerischen Säulen gehören zu den am besten erkennbaren Symbolen der Freimaurerei. Sie sind im Tempel, auf Loge-Tableaus und in bestimmten freimaurerischen Insignien präsent und erinnern zugleich an die Architektur des Salomonischen Tempels und an den symbolischen Aufbau des Menschen.
Die beiden bekanntesten Säulen sind Jakin und Boas. Sie umrahmen symbolisch den Eingang zum Tempel und stehen für zwei sich ergänzende Prinzipien, die traditionell mit Festigung und Kraft verbunden werden.
Der Begriff "Säulen" besitzt im freimaurerischen Wortschatz jedoch auch andere Bedeutungen. Er bezeichnet insbesondere die beiden Seiten der Loge, die Säule des Nordens und die Säule des Südens, wo die Brüder während der Arbeiten Platz nehmen.
Dieser Leitfaden beleuchtet Ursprung, Symbolik und Rolle der freimaurerischen Säulen, von Jakin und Boas bis zu den Säulen des Tempels und der Loge, um ihren Platz in der initiatischen Tradition und in den verschiedenen freimaurerischen Riten besser zu verstehen.
Wofür stehen die freimaurerischen Säulen?
Die freimaurerischen Säulen stehen insbesondere für die beiden symbolischen Säulen des Salomonischen Tempels, genannt Jakin und Boas. Sie verkörpern traditionell Stabilität, Festigung und Kraft. In der Loge bezeichnet der Begriff "Säulen" auch die Räume des Nordens und des Südens, die symbolisch den Weg des Freimaurers von der Dunkelheit zum Licht strukturieren.
Jakin und Boas: die beiden Säulen des Salomonischen Tempels
Der Ursprung der freimaurerischen Säulen Jakin und Boas wird traditionell mit der biblischen Erzählung vom Bau des Salomonischen Tempels in Jerusalem in Verbindung gebracht. Zwei bronzene Säulen, die am Eingang des Tempels aufgestellt waren, tragen die Namen Jakin und Boas.
In der freimaurerischen Tradition sind diese beiden Säulen zu bedeutenden Symbolen geworden. Sie werden im Allgemeinen durch die Buchstaben J und B dargestellt und nehmen im rituellen Raum sowie auf zahlreichen Loge-Tableaus einen wichtigen Platz ein.
Ihre Deutung kann je nach Ritus und Tradition unterschiedlich ausfallen. Die Position der Säulen, ihre Verzierungen oder ihre grafische Darstellung können variieren, insbesondere bei den Beschreibungen der Basen, Kapitelle und Verzierungselemente.
Jakin und Boas in wenigen Worten
Jakin wird traditionell mit der Idee der Festigung und Stabilität verbunden.
Boas wird traditionell mit Kraft und der Fähigkeit zu tragen verbunden.

Zusammen bilden Jakin und Boas so ein Symbol der Komplementarität: Kraft und Stabilität, Festigung und Unterstützung. Diese symbolische Lesart begleitet die allgemeinere Idee des Aufbaus, die im Zentrum des freimaurerischen Weges steht.
Die Symbolik der freimaurerischen Säulen
Über ihren historischen und biblischen Ursprung hinaus besitzen die freimaurerischen Säulen eine starke symbolische Dimension. Sie stehen für die Idee des Aufbaus, des Gleichgewichts und der Stabilität — wesentliche Begriffe der initiatischen Tradition.
Jakin steht traditionell für das, was errichtet und gegründet ist, während Boas auf die Kraft verweist, die nötig ist, um den Bau zu tragen und zu erhalten.
Zusammen können die beiden Säulen als Einladung verstanden werden, ein Gleichgewicht zwischen der Festigkeit der Fundamente und der zum Vorankommen nötigen Kraft zu suchen. Dieser Aufbau kann sowohl kollektiv, durch das Bild des Tempels, als auch individuell, durch die Arbeit des Freimaurers an sich selbst, verstanden werden.
Jakin: die Festigung
Jakin wird traditionell mit der Idee von Gründung, Festigung und Beständigkeit verbunden.
Boas: die Kraft
Boas steht traditionell für Kraft, Unterstützung und die Fähigkeit, den Bau zu tragen.
Das Gleichgewicht
Zusammen verkörpern die beiden Säulen die Komplementarität und das Gleichgewicht, die für jeden Aufbau nötig sind.
Diese Symbolik erklärt, warum die Säulen auf zahlreichen freimaurerischen Insignien erscheinen. Ihre Darstellung findet sich auf Schürzen, Schmuck, Ketten oder Loge-Tableaus, je nach Grad und betroffenem Ritus.
Die Säulen der Loge: Norden und Süden
Im freimaurerischen Wortschatz bezeichnet der Begriff "Säulen" nicht nur Jakin und Boas. Er wird auch verwendet, um von den beiden Seiten der Loge zu sprechen: der Säule des Nordens und der Säule des Südens.
Traditionell nehmen die Brüder auf beiden Seiten des Tempels Platz, je nach ihrem Grad und den Gepflogenheiten des praktizierten Ritus. In vielen Traditionen werden die Lehrlinge der Säule des Nordens zugeordnet, während Gesellen und Meister die Säule des Südens besetzen.
Diese räumliche Organisation besitzt eine symbolische Dimension. Der Norden wird traditionell mit weniger direktem Licht assoziiert, während der Süden das Licht stärker verkörpert. Die symbolische Bewegung des Freimaurers kann so als ein fortschreitender Weg zur Erkenntnis verstanden werden.
Im freimaurerischen Wortschatz bezeichnet die Säule der Harmonie traditionell die Funktion oder die Gruppe von Brüdern, die für die Musik zuständig sind, welche die Arbeiten der Loge begleitet. Sie trägt so zur Atmosphäre und zum Rhythmus der Zeremonien bei.
Die Säulen auf dem Loge-Tableau
Die freimaurerischen Säulen erscheinen auch auf dem Loge-Tableau, das in manchen Traditionen auch Loge-Teppich genannt wird. Dieser symbolische Träger vereint die wichtigsten Elemente, die zum Verständnis des Grades nötig sind, und begleitet die Arbeiten der Loge.
Jakin und Boas können auf beiden Seiten der Komposition dargestellt sein und die anderen mit dem betreffenden Grad verbundenen Symbole umrahmen. Je nach Ritus und Grad kann das Tableau auch das Mosaikpflaster, den Flammenden Stern, das Winkelmaß, den Zirkel oder andere symbolische Elemente zeigen.
Ein symbolischer und pädagogischer Träger
Das Loge-Tableau vereint visuell die während der Arbeiten hervorgerufenen Symbole. Es dient so als Grundlage für Reflexion, Weitergabe und Meditation.
Die Säulen nehmen dort einen wichtigen Platz ein und erinnern an die symbolische Schwelle des Tempels sowie an die mit Jakin und Boas verbundenen Aufbauprinzipien.
Die freimaurerischen Säulen nach den Riten
Wie viele Elemente der freimaurerischen Symbolik können die Säulen je nach dem praktizierten freimaurerischen Ritus unterschiedlich gedeutet und dargestellt werden.
Der Alte und Angenommene Schottische Ritus (AASR), der Französische Ritus und der Rektifizierte Schottische Ritus (RSR) besitzen jeweils eigene Traditionen und Gepflogenheiten bezüglich der Darstellung von Jakin und Boas.
Die Unterschiede können die Position der Säulen, ihre Darstellung, ihre Verzierungen oder die Art betreffen, wie sie in die Loge-Tableaus und die mit den verschiedenen Graden verbundenen Insignien integriert werden.
Eine gemeinsame Symbolik, unterschiedliche Traditionen
Auch wenn Jakin und Boas ein in der freimaurerischen Tradition weithin geteiltes Symbol darstellen, können ihre Darstellung und Deutung je nach Ritus und den Gepflogenheiten der Obedienzen variieren. Diese Unterschiede tragen zum Reichtum der freimaurerischen Vielfalt bei.
Die Symbolik der Säulen in freimaurerischen Insignien wiederfinden
Die Symbolik von Jakin und Boas findet sich in zahlreichen freimaurerischen Insignien und Gegenständen wieder. Die Säulen können insbesondere auf Schürzen, Schmuck, Ketten und Loge-Tableaus erscheinen.
Bei Décors et Symboles legen wir besonderen Wert auf die Achtung der Traditionen und Codes, die den verschiedenen Riten eigen sind. Der Loge-Teppich des Gesellengrades des AASR etwa integriert die Säulen unter den wichtigsten Symbolen, die das Ganze bilden.
Diese Symbole finden sich auch in bestimmten Stickereien von freimaurerischen Schürzen sowie in verschiedenen Schmuckstücken oder Ketten, die für Brüder und Offiziere bestimmt sind.
Die Säulen: zwei Pfeiler der freimaurerischen Tradition
Jakin und Boas sind keine bloßen Dekorationselemente. Sie stellen ein kraftvolles Symbol der freimaurerischen Tradition dar und erinnern daran, dass jeder Aufbau auf soliden Fundamenten und der zu ihrer Erhaltung nötigen Kraft beruht.
Um ihre Geschichte und Symbolik zu vertiefen, ermöglichen unsere freimaurerischen Bücher, das Studium des Tempels, der Riten und der zahlreichen Symbole, die den initiatischen Weg strukturieren, weiter zu vertiefen.
Häufig gestellte Fragen zu den freimaurerischen Säulen
Was sind die Säulen Jakin und Boas?
Jakin und Boas sind die beiden Säulen, die traditionell mit dem Eingang zum Salomonischen Tempel verbunden werden. Sie nehmen einen wichtigen Platz in der freimaurerischen Symbolik ein und stehen insbesondere für Begriffe der Festigung und der Kraft.
Wofür stehen Jakin und Boas in der Freimaurerei?
Jakin und Boas werden traditionell mit Stabilität, Festigung, Kraft und Unterstützung verbunden. Zusammen können sie das für jeden Aufbau nötige Gleichgewicht symbolisieren, insbesondere den symbolischen Aufbau des Freimaurers.
Was sind die Säulen des Nordens und des Südens?
Die Säulen des Nordens und des Südens bezeichnen die beiden Bereiche der Loge, in denen die Brüder während der Arbeiten Platz nehmen. Ihre Anordnung besitzt zudem eine symbolische Dimension, die mit dem Fortschreiten von der Dunkelheit zum Licht verbunden ist.
Warum werden die Säulen auf Loge-Tableaus dargestellt?
Die Säulen Jakin und Boas gehören zu den Symbolen, die man auf Loge-Tableaus wiederfindet. Sie tragen dazu bei, den Eingang zum Tempel symbolisch darzustellen und an die mit Aufbau und Gleichgewicht verbundenen Prinzipien zu erinnern.
Sind die Säulen in allen freimaurerischen Riten identisch?
Nein. Die Darstellung, die Position und bestimmte symbolische Details der Säulen können je nach Ritus, Grad und den Traditionen der Obedienz oder der Loge variieren.


